Die Ereignisse überschlagen sich. Sprachlosigkeit wechselt sich mit Wut ab.
Als Mutter einer Tochter mit Behinderung, die das Hamburger Schulsystem seit Jahren kennt, kann ich die aktuellen Entscheidungen der Schulbehörde überhaupt nicht nachvollziehen. Ich wünsche allen betroffenen Familien viel Kraft und hoffe sehr, dass die Verantwortlichen ihre Pläne zurück nehmen werden.
Auch als Co-Gründerin von isociety, einem Hamburger Unternehmen, stehe ich fest an der Seite der Kinder mit Behinderung und ihren Eltern und setze mich mit dem Unternehmen für Inklusion in Hamburg ein.
Was ist passiert?
Die Hamburger Schulbehörde hat Kürzungen bei den Schulbegleitungen angekündigt. Diese wurden der Öffentlichkeit über Instagram sowie am 26.07 in einer Pressemitteilung als „Weiterentwicklung“ vorgestellt.
Dass diese Maßnahmen als Verbesserung dargestellt werden, sorgt bei vielen Familien für großes Unverständnis. Unter dem Instagram-Beitrag haben inzwischen mehr als 220 Menschen ihren Protest und ihre Sorgen geäußert, so viele Kommentare sind sicherlich für die Schulbehörde eher ungewöhnlich.
Demonstration am 1. Juli
Am 1. Juli findet um 16 Uhr eine Demonstration am Jungfernstieg statt. Organisiert wird sie von Autismus Hamburg e.V., KIDS Hamburg e.V. sowie einem losen Zusammenschluss betroffener Eltern.
Auch die taz hat die aktuelle Situation in einem aktuellen Artikel aufgegriffen.
Aus meinem persönlichen Umfeld weiß ich, dass viele Familien derzeit nicht wissen, ob ihre Kinder nach den Sommerferien überhaupt noch eine Schulbegleitung erhalten werden und wenn ja, in welchem Umfang.
Stattdessen berichten zahlreiche Eltern von drastischen Kürzungen bereits bewilligter Stunden. So schildert der Elternrat einer Hamburger Sonderschule, dass der bisherige Umfang von rund 1.200 Stunden auf nur noch 400 Stunden reduziert wurde. In einem instagram Kommentar wird geschildert, dass Kolleg*innen geweint haben, weil sie nicht mehr wissen, wie sie die Kinder so begleiten können.
Wie unter diesen Bedingungen die Sicherheit der Kinder, ihre Bildung und ihre Teilhabe gewährleistet werden sollen, bleibt bislang unbeantwortet. Genau diese Unsicherheit macht vielen Familien derzeit am meisten zu schaffen.
Was können wir jetzt tun, auch wenn wir nicht direkt betroffen sind?
Wir leben inzwischen nicht mehr in Hamburg, sondern im Umland. Trotzdem betrifft uns diese Entwicklung. Denn die Frage ist nicht nur, wie wir mit Kindern mit Behinderung umgehen, sondern auch, welche Werte unsere Gesellschaft tragen.
Wenn notwendige Unterstützung gekürzt wird, betrifft das letztlich alle Kinder. Inklusion gelingt nur, wenn ausreichend Personal an Schulen vorhanden ist. Werden Ressourcen reduziert, leiden nicht nur die Kinder, die auf Schulbegleitung angewiesen sind, sondern das gesamte Schulsystem.
Deshalb ist jetzt Solidarität gefragt auch von Menschen, deren Kinder selbst keine Schulbegleitung benötigen.
Wenn ihr in Hamburg oder der Umgebung lebt, kommt zur Demonstration am 1. Juli um 16 Uhr am Jungfernstieg. Und wenn ihr nicht dabei sein könnt: Informiert euch, teilt Beiträge und verfolgt die Aktivitäten der beteiligten Initiativen. Öffentlichkeit schafft Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit kann etwas bewegen.
Sarah
